Stamppot. Das holländischste Gericht, das es gibt. Für alle, die es nicht kennen: Stamppot ist ein Kartoffelstampf, bei dem Kartoffeln direkt mit Gemüse zerstampft werden -- vergleichbar mit deutschem Stampfkartoffel-Gemüse oder Grünkohl mit Kartoffeln, dazu eine Mulde Bratensauce und eine Rauchwurst. Comfort Food in Bestform, aber in Sachen Wein ein unterbelichtetes Terrain. Die meisten Niederländer trinken ein Bier zum Stamppot. Nichts dagegen einzuwenden, aber Wein kann diesen holländischen Klassiker auf ein überraschend gastronomisches Niveau heben.
Das Geheimnis: Das Gemüse im Stamppot bestimmt den Wein, nicht die Kartoffel. Grünkohl, Hutspot (Möhren-Zwiebel-Stampf), Sauerkraut und Endivie haben jeweils ein einzigartiges Geschmacksprofil, das nach einem anderen Wein verlangt. Und dann ist da noch die Rauchwurst -- der konstante Faktor, der alles verbindet.
Fangen wir mit dem Element an, das zu fast jedem Stamppot gehört: die Rookworst, die holländische Rauchwurst. Rauchwurst ist geräuchert, fettig, salzig und kräftig im Geschmack. Der rauchige Charakter ist der dominante Geschmack, der deine Weinwahl beeinflusst.
Weine, die gut zu Rauchwurst funktionieren, teilen ein paar Eigenschaften:
Merk dir dieses Profil -- es kommt bei jedem Stamppot wieder.
Der König der Stamppots. Grünkohl ist leicht bitter, erdig und kräftig im Geschmack. Kombiniert mit der cremigen Kartoffel, einem Stück Butter und einer Scheibe Rauchwurst ist das das ultimative Wintergericht.
Budget-Tipp: Ein guter Côtes du Rhône kostet 7-10 Euro und ist eines der besten Preis-Leistungs-Verhältnisse der Weinwelt. Ideal für einen Grünkohl-Stamppot unter der Woche.
Ein Morgon oder Moulin-à-Vent (Gamay) bietet eine leichtere, aber ebenso herrliche Kombination. Die Kirschfrucht und die pfeffrigen Noten im Gamay sind ein überraschend guter Match für Grünkohl. Serviere den Beaujolais leicht gekühlt (14 Grad) für den besten Effekt.
Hutspot -- ein Stampf aus Möhren, Zwiebeln und Kartoffeln -- ist weicher und süßer als Grünkohl: Die Möhren und Zwiebeln bringen eine natürliche Süße, die die Kartoffel bereichert. Das Klapstuk (geschmortes Rindfleisch) fügt ein tiefes, fleischiges Umami hinzu. Das ist ein milderes, runderes Gericht, das nach einem anderen Wein verlangt.
Hutspot mit Rauchwurst (statt Klapstuk) verschiebt die Weinwahl etwas zum würzigeren Côtes du Rhône -- der rauchige Charakter der Wurst verlangt mehr Körper.
Sauerkraut bringt ein Element, das die anderen Stamppots nicht haben: Säure. Der fermentierte Kohl ist frisch, sauer und leicht pikant. Kombiniert mit Speck (salzig, fettig, rauchig) entsteht ein Gericht mit ernsthaftem Kontrast -- und das macht die Weinwahl interessant.
Das ist einer der wenigen Stamppots, bei denen Weißwein besser funktioniert als Rot. Die Säure im Sauerkraut macht Rotwein oft flach und metallisch. Riesling ist hier der klare Gewinner.
Dann wähle einen Spätburgunder (deutscher Pinot Noir) oder einen leichten Gamay aus dem Beaujolais. Beide haben genug Säure, um mit dem Sauerkraut umzugehen, ohne dass der metallische Effekt auftritt. Serviere sie leicht gekühlt.
Endivie ist das mildeste Stamppot-Gemüse: leicht bitter, frisch, fast salatartig. Endivien-Stamppot ist der leichteste und subtilste aller Stamppots. Oft serviert mit gebratenen Speckwürfeln und einer Käsesauce.
Rote Option: Ein leichter, fruchtiger Pinot Noir (Elsass oder ein günstiger Burgunder) funktioniert auch, aber Endivie ist so mild, dass Weißwein eigentlich die bessere Wahl ist.
Die "Pimp my Stamppot"-Version: extra knusprige Speckwürfel, karamellisierte Zwiebeln und manchmal ein Schuss Senf. Das macht den Stamppot reicher, süßer und intensiver als die Basisversion. Der Wein darf dann auch einen Gang höher schalten.
Nicht jeder isst Rauchwurst. Manchmal ist es eine Bratwurst, manchmal eine vegetarische Wurst, manchmal eine Sucuk oder Merguez. Die Wurst verändert die Weinwahl:
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SommelierX gratis ausprobierenOhne Rauchwurst verschwindet das rauchige Element und die Bitterkeit des Grünkohls wird dominanter. Wähle einen Wein mit mehr Frucht und weniger Würze: einen Beaujolais Villages oder einen fruchtigen Merlot aus dem Languedoc. Die Frucht balanciert die Bitterkeit des Grünkohls aus.
Bei Sauerkraut-Stamppot und Endivien-Stamppot absolut -- Riesling und Grüner Veltliner sind dort sogar die bessere Wahl. Bei Grünkohl und Hutspot ist Rot in der Regel besser, außer du lässt die Rauchwurst weg. Dann kann ein voller Weißwein (Viognier, holzgereifter Chardonnay) überraschend gut funktionieren.
Rohe Endivie (nicht gekocht) ist frischer und bitterer als die gestampfte Version. Die Bitterkeit verlangt einen Wein mit mehr Frucht und weniger Tannin: einen Soave Classico, einen Pinot Blanc aus dem Elsass oder einen trockenen Muskateller. Rot? Ein Valpolicella Classico ist leicht genug.
Im Sommer passt ein kräftiger Rosé aus der Provence oder ein Tavel gut zu einem leichteren Stamppot (Endivie, Spinat). Aber bei winterlichen Stamppots (Grünkohl, Sauerkraut) mit Rauchwurst fühlt sich Rosé zu leicht an. Dann willst du die Wärme und den Körper eines Rotweins.
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